DerAndi

Inglorious Bassterds on Tour - Oder das Saarland zu Gast in Padua

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Nun bekommt ihr einen kleinen Bericht auf die Augen über unseren Kurzbesuch bei Matteo in Padua. Für kurzentschlossene war es nichts also haben wir in nur drei Monaten alles geplant und zusammengekramt was sich zum Bassfischen eignet. Ich habe ja nicht viel Ausrüstung für schwerere Angelegenheiten und so begnügte ich mich mit meiner leichten Crankrute, ne leichte Jigrute, eine für Softbaits und 2 Spinnruten. Das musste reichen. Nun war die Köderbox an der Reihe. Eins nehme ich nun Vorweg. Ich bin eher der Hardbaitfischer und somit sah es in Sachen Gummis schlecht, bis fast nicht vorhanden aus. Nach etlichen Emails mit Matteo bezüglich des Tackle füllte sich die Box langsam mit allerhand Gummigetier und Haken. Wenn ich es nun im Nachhinein betrachte hätte es die Hälfte auch getan denn Senkos und Frogs hätten gereicht.


Das waren die einzigen Softbaits die wir genutzt haben. ja wir, das sage ich extra das denn meine Frau war natürlich im Urlaub dabei und sowohl an den Kanälen und auf dem Boot fleißig am Fischen. Die Schwarzbarsche, auf die wir fast vor der Haustür fischen können sind selten über 25cm groß. Da war es schon besser eine geführte Tour in Italien zu machen. Also wurde das Auto gepackt und wir verbanden den Basstrip mit einem kleinen Konzert am Samstag in den Weiten des schwarzen Waldes. Ich dachte es wäre effektiver über die Schweiz zu fahren, was sich aber spätestens auf dem Rückweg als schlichtweg falsch erwies. Die Hinfahrt verlief recht entspannt. Nach Besichtigung Triberger Wasserfälle und der Rheinfälle ging es weiter in Richtung Süden.








Die Landschaft wurde bergiger und bergiger. Ich komme ja selbst aus einem der deutschen Mittelgebirge aber selbst ich bin immer noch fasziniert von den Alpen. Einfach ein Traum, nicht nur für Besitzer eines Nummernkontos. Es gab keinerlei Stau oder sowas. Klar es ist ja auch Sonntag. Nach dem Gotthard Tunnel war laut dem Planer die halbe Strecke geschafft. Der alpabstieg begann bei einem Mix aus Wolken und Sonne. Die Bergrücken glänzten und die Straßenschilder wurden immer italienischer. Klar es ging ja auch mittlerweile ins Tessin. Dann lag er vor uns. Der Lago Maggiore. Wer noch nie den Abstieg gewagt hat kann sich gar nicht vorstellen welches Hammerbild uns sich bot. Ich wollte gar nicht mehr weiter fahren. Die Frau ist ja meistens das Vernunftswesen und eine halbe Stunde später machen wir eine kurze Rast am Lago die Como. Also Zigaretten und Kamera ausgepackt und Bilder geschossen was das Zeug hält. Wir hatten ja jede Menge Zeit. Es war ja schließlich erst Sechs Uhr abends und hatten somit noch 16 Stunden Zeit übrig um pünktlich Montagmorgen um Zehn bei Matteo vor der Tür zu stehen.
Also ließen wir es etwas gemütlicher angehen, auch wenn es etwas ungeschickt gewählt war. Mir steckte der vorhergegangene Konzertabend und die etwas zu kurze Nacht in den Knochen. Na was bedeutet das? Ganz einfach. Den ersten Latte Macchiato auf italienischem Boden an einer Raststätte der glatt hätte mit Gold aufgewogen werden müssen. Erstaunlicherweise war er recht gut aber halt teuer. Italien hat ja laut ADAC und Co. die teuersten europäischen Raststätten. Also nur schnell einen getrunken, Musik an, natürlich laut und hart und wieder auf die Piste. dank Viacard fiel das anstehen an den Mautstationen nahezu komplett weg und man spart sich etwas Zeit. Aber davon hatten wir ja noch einiges übrig.
Als Mailand und Bergamo hinter uns lagen und wir am Gardasee auch schon vorbei waren versuchte ich den Plan von einer ungemütlichen Nacht im Auto auf irgend einem Parkplatz umzusetzen. Pustekuchen. Überall überfüllt, und wenn man einen Platz fand liefen links und rechts von dir Klimaanlagen bei den Brummis. Meine Augenränder wuchsen und die Galle stieg. Also gings zum Ausweichplan. Ich hatte ja vorsorglich die Adressen von 2 Lidl Filialen raus geschrieben da wir dort ja auch noch einkaufen mussten. Der Plan war, dort einfach auf dem Parkplatz zu pennen bis er am nächsten Morgen öffnete. Aber irgendwie schien es mir als wenn irgendjemand mich unbedingt vom Schlafen abhalten wollte. Der Lidl war quasi nicht existent. Weder im Ort noch unter der genauen Adresse. Da hätte man fast schreien können. Also wieder auf die Autobahn und weiter Richtung Padua. Nächster Rasthof raus, Kopfkissen ausgepackt, Buxe aus und versucht zu schlafen. Ging sogar etwas haha. Aber egal. Wir kamen auf jeden Fall nach dem Großeinkauf, pünktlich bei Matteo an und wurden auch herzlich empfangen.
Die Bilder verhießen schon viel aber in Realität sah es noch schöner aus. Ein massives venezianisch eingerichtetes Ferienhaus inmitten des Nationalparks Eugeenia, natürlich auf einem Bergücken umgeben von Olivenhainen. Einfach traumhaft.











Nach einem kurzen Rundgang machten wir uns erst einmal frisch da Matteo uns direkt mal ans Wasser brachte. In den Flüssen und Kanälen gibt es überall Bass. Wir versuchten also in praller Sonne einen ans Band zu bekommen aber sie hielten wahrschlich gerade Siesta. Das einzige was ich fing war einen gewaltigen Sonnenbrand haha. Und das schon am Tag der Anreise. Abends wollte Julia dann noch an eine andere Stelle die Matteo empfohlen hat. Ohne Guide und Ahnung von Gummifischen gings los. Waffe der Wahl sollte ein Senko sein. Hab mich für einen in 5 Inch und Watermellon Chartreuse entschieden. Da das Kraut bis einige Zentimeter unter die Oberfläche und teilweise auch darüber ragte, wurde er als Softjerk weightless angeboten. Der zweite Wurf brachte eine brachiale Attacke kurz nach dem Auftreffen aufs Kraut. Aber ich versaute den Anhieb und kloppe ihm den Köder aus dem Maul. Dieses Spiel wiederholte sich in der nächsten Stunde unzählige Male bis ich dann mal noch gute 10 Sekunden gewartet habe und erst als ich den Fisch in der Schnur gemerkt habe nen kräftigen Anhieb gesetzt. Der erste war kein Riese aber gute 35cm hatte er. Man damit hätte ich persönlich nicht gerechnet. Direkt am ersten Tag einen ans Band zu kriegen, ohne irgendwelche Gewässerkenntnisse oder eine konkrete Einführung in die ganze Gummifischerei, zeugte entweder von großem Können oder nur dem nötigen Quäntchen Glück. Ich dachte da aber eher an einen Zufallstreffer.





Julia bekam auch noch zwei schöne Attacken auf einen kleinen 4 Inch Gambit Wurm, hat sich aber so erschreckt als die Barsche durch das Kraut schossen dass die Anhiebe ins leere gingen. Die Sonne verschwand hinter den Bergen und wir in die Koje, die Fahrt und ungemütliche Nacht auf dem Rasthof hat mich dann doch mehr geschafft als ich mir zuerst eingestehen wollte. Früh morgens um 4 klingelt mich der Wecker raus.

Heute sollte es ja auf die erste Tour gemeinsam mit Matteo und Boot auf die Kanäle gehen. Sein kleines Bassboot ist voll ausgestattet. Vom Echo bis zum E- Motor ist alles da. Das Slippen war auch recht schnell geschafft und wir verbrachten die Wartezeit bis der Schleusenbedienstete soweit war uns zu schleusen, mit dem Absuchen des Vorbereichs der Schleuse mit Crankbaits. Das Einzige was ich ans Band bekam war dann doch ein Stockfisch von gut zwei Kilo. Aber der Tag war noch jung, es war noch nicht ganz hell aber nach der Schleusenodyssee zeigte sich die ganze Pracht der Kanäle. Nun war mir auch klar was Matteo meinte mit "real Heavy Cover". Er legte einen Gang zu um den ersten Spot anzufahren. Er gab eine kurze Einweisung wo wir es probieren sollten. Die ersten 5-6 Fische fing er als Lokalmatador. Keine Riesen, aber Fisch ist Fisch. Wir zwitscherten die Köder immer wieder raus. Irgendwann schaute ich mal heimlich rüber und sah dass er doch recht klein fischte. Schnell waren kleine 3 Inch Köder montiert und das Tempo der Präsentation soweit runter geschraubt, dass die Bass hätten über eben diese ihre Doktorarbeit hätten schreiben können. Dann merkte ich das leise Naschen an meinem Senko und schlug natürlich an. An dieser Stelle zitiere ich einfach mal Matteo "Andi, that‘s not Zander fishing. Wait until you feel the fish swimming away and then you set the hook". Das sagte doch alles und beim nächsten Fisch klappte es auch. Der erst Kanalbarsch war auf dem Weg nach oben. Uns wurde ja schon vor Beginn eingetrichtert nicht nachlässig zu drillen. Zum einen sind die Fische im Spawn oder kurz davor, zum anderen gibt es auch in den tiefen Bereichen der Kanäle viel Mist im Wasser. Er zeigte sich so recht schnell an der Oberfläche. Etwas über 30cm nur, aber dafür vollgefressen. Ich glaube dass war der dritte Fisch auf Gummiköder in einem Leben.

Bei Julia lief es nicht so gut. Die Fische schienen nicht zu wollen. Matteo beackerte den Bereich rundherum mit Cranks und Spinnerbaits, fing aber auch nichts mehr. Darum war ein Stellenwechsel angesagt und mit Hilfe des E-Motors ging es den Kanal hinauf wärend wir das Cover gezielt abfischt. Es gab allerdings keine nennenswerte Fänge bis Matteo auf einen Spinnerbait einen brachialen bis direkt nach dem auftreffen des Köders aufs Wasser bekam. "Big Siluro" bekamen wir zu hören. Der Fisch stieg allerdings schnell wieder aus. Ich hab ja schon vieles gesehen aber noch keine Welsattacke an der Oberfläche. Etwa einen Kilometer weiter schienen wir aber wieder eine passende Stelle gefunden zu haben und mein Senko flog mitten ins Schilf. Matteo trichterte uns ja ein "Just close to the bank, closer to the bank" und das tat ich. Da ich immer noch Zielschwierigkeiten habe pfefferte ich den Köder ins Schilf und kurbelte ihn in Zeitlupe so langsam aus dem Dickicht dass er nur mit einem leisen Plöpp ins Wasser fiel. Plöpp-Bäääm-Rute krumm. Ok das war auch ein netter Einschlag. Scheinbar hab ich dem Fisch das Ding dirkt vor die Schnauze geworfen. Jedenfalls schien ich richtig reagiert zu haben denn nur kurze Zeit später hielt ich einen Enddreißiger in den Händen.


Immer noch angestachelt durch Adrenalin und der nötigen Portion Wahnsinn fischten wir die nächsten Stunden mit mäßigem Erfolg. Nachmittags machten wir erst einmal ein deftiges Essen und knackten doch glatt einfach im Hellen noch ein. So etwas muss man sich mal vorstellen. Mittwochs sollte es an den Strand gehen. Aber wir haben am ersten Fischtag gemerkt, dass noch etwas anders abgestimmtes Tackle von Nöten war und der erste Weg führte uns in den Store nach Padua. Direkt hinter der Glastür wusste ich auch schlagartig warum Matteo meinte ich EC und Kreditkarte zu Hause lassen. Der Laden war vollgestopft mit Ködern und Tackle der Spitzenklasse und dass noch zu guten Preisen. Also aufgestockt und zig Tüten mit Softbaits geholt und noch eine Spule feinere Schnur. Dann begann die wirkliche Odyssee des Tages. Zuerst etwas südlich aber wir fuhren ewig durch die Gegend und denkt ihr wir hätten etwas Strandähnliches gefunden? Natürlich nicht.

Also ab in den Norden zum doch recht bekannten Jesolo Bech. Der ist im Sommer die Touristenhochburg Nummer 1 in der Gegend. Es war zum Schwimmen nicht warm genug aber das Frauchen und meiner einer legten sich gediegen in Sonne. Der Sonnenbrand vom ersten Tag musste schließlich gepflegt und aufgefrischt werden. Tat aber richtig gut. Das Rauschen Meeres, keine Touris die krach machten und einfach mal die Seele baumeln lassen. Einzig diese Touristenabzockmarrokaner waren etwas penetrant. Die kriegt man nur unter Androhung von unschönen Dingen vom Hals. Aber was will man machen.
Auf dem Heimweg machten wir noch für einige Würfe an den Kanälchen halt. Julia schoss aber direkt den Vogel ab. Während ich mir noch den Haken anknotete zirkelte sie irgendwie ihren Köder in ein altes Abflussrohr und kassierte dafür keinen Hänger, wie sie anfänglich dachte sondern der Hänger bekam plötzlich Leben eingehaucht und begann zu bocken. Es war ein dicker Mittdreißiger.


Für mich gabs erst nach fast einer Stunde und kaum noch Licht aber auch noch einen Kleinen. So kann ein Abend mit relaxen in der Sonne und ner ordentliche Portion Pasta zu Ende gehen. Für Donnerstag sah der Wetterbericht nicht so prickelnd aus und es bewahrheitete sich. Es war sehr windig und nass. Da macht das fischen vom Boot aus wenig Spaß auch wenn es zu beginn direkt einen Fisch gab. Die nächsten Stunden blieb es bei uns ruhig. Matteo fing aber wie immer seine Fische. Aber er hat‘s ja auch drauf. Ich kürze diesen nassen Tag einfach mal ab, Denn Julia fing noch ein paar und warf nur noch haha. Freitag sollte der schönste Tag der Woche werden und für uns ging es wie es sich für anständige Touristen gehört, nach Venedig zum Sightseeing. Vorher noch einmal in Padua den Shop besucht und die Box vervollständigt. Bei uns bekomme ich die Baits nirgends zu diesem Preis. Außerdem lag es ja quasi auf dem Weg. Venedig an sich ist eine schöne Stadt aber voll mit Dreck, Touristen und Schmierereien. Man kann es sich aber mal anschauen. Der Tag war aber trotzdem recht schön auch wenn man ohne Straßenkarte aufgeschmissen ist.
Der Samstag, vorletzter Tag und der letzte auf dem Kanal. Das Wetter war wieder besser und es war wärmer. Die ersten Fische stellten sich auch ziemlich schnell ein. Ich war schon etwas überrascht dass es so gut lief. Ich fing auch meinen bis dahin PB mit knappen 50cm recht früh auf einen 6 Inch Senko in Chartreuse.


Darauf bekam ich einige Attacken und einige Fische blieben hängen. Julia räumte aber am Nachmittag noch richtig ab. 18 Bass in weniger als 2 Stunden. Irgendwie bissen sie als wenn es kein Morgen mehr gäbe. An dem Tag schraubte auch sie ihren PB auf über 45cm hoch. Das war schon ein Erlebnis. Der Rest des Tages wurde mit einem genialen BBQ ausklingen lassen.


Nachts kam dann aber noch die Erlösung. Wir bekamen noch den größten Teil des schweren Erdbebens mit. Ist schon erschreckend wenn alles rumpelt um einen herum. Es ist aber keinem was passiert und Sachschäden haben weder Matteo noch wir zu verzeichnen. Was kann ich aber zusammenfassend über unsere Woche Italien sagen. Wetter war passabel, der Sonnenbrand heftig auch ohne zu viel Sonne, eine absolut traumhafte Landschaft und viel Fisch. Matteo ist ein feiner Kerl und versteht sowohl sein Handwerk als auch einem etwas Wissen beizubringen. Seine Gewässer kennt er in und auswendig. Der Spaß war zwar mit viel Geld und Stress verbunden und einer langen Autofahrt aber wir kommen wieder.

Danke an Matteo für die geniale Woche http://www.zetabass.com/de

Aktualisiert: 15.07.2012 um 11:09 von DerAndi

Kategorien
Ausflüge und Urlaub , Berichte & Reviews

Kommentare

  1. Avatar von senta18
    Danke - schön geschrieben! TL Marko
  2. Avatar von Mö78
    Sehr geil, Danke!!!
  3. Avatar von Rapante
    Das Fernweh ist geweckt... schöner Beitrag!
  4. Avatar von rutenfan18
    Dein Bericht hat mir sehr gut gefallen; vielen Dank dafür.
    Grüße
  5. Avatar von predatorhunters
    Super Bericht TL Andy
  6. Avatar von zan.der
    Echt klasse Bericht, macht laune auf ITALY