• 2008 Bass Fishing World Championship

    2008 Bass Fishing World Championship
    Dienstagmorgen 08.00 Uhr. Endlich geht es los in Richtung Garda See. Nach einem kurzen Abstechen in der Schweiz um Sven abzuholen sind wir am Nachmittag in unserem Hotel angekommen.

    Um 18.00 Uhr muss Thomas beim Captains´Meeting sein. Dort werden die Boote verlost. Um 19.00 Uhr die erste Überraschung. Die Boote waren in drei Kategorien eingeteilt, sozusagen Super, Medium und Normal. Jedes Team bekommt ein Boot pro Kategorie zugelost...



    ...Marc und ich erwischen ein Traumlos. Marcello Sivero ist der beste Guide am See und hat eines der schnellsten Boote. Er ist für die nächsten vier Tage unser Fahrer.
    Andreas und Björn haben das Medium, auch ein schnelles Boot mit einem verrückten DJ als Fahrer. Thomas und Sven erwischen leider eines der langsameren Boote mit einem zunächst sehr unterkühlten Italiener.

    Mittwochmorgen, das erste Training. An der Steganlage liegen die geilen Bassboote.



    Die Fahrer dürfen nicht helfen und keine Informationen geben. Marcello (mit weißer Mütze) fragt wo er hinfahren soll. Wie zuvor besprochen zeige ich eine Flache Stelle in der Seemitte in der Nähe von Garda. Er schaut mich fragend an und drückt dann auf das GPS. Im nächsten Moment sehe ich, dass der Vorschlag totaler Müll war. Bei den Kartenplottern kann man nämlich sehen, welche Strecken er schon gefahren ist, diese sind rot eingezeichnet. An dieser Stelle war er noch nie. Ich lass mir aber zunächst nichts anmerken und nach dem Startsignal fahren wir los. Auf dem See hat es ganz schöne Wellen und Marcello zeigt uns zwei natürlich was sein Boot alles kann. Die Schläge sind so brutal, dass du meinst deine Bandscheiben werden zu Brei, bei machen bleibt dir einfach die Luft weg. Das Boot fliegt eigentlich mehr.

    An der Stelle angekommen stoppt er das Boot und wir greifen nach den Ruten, dann kommt ein trockener Kommentar: „Eine gute Stelle für Hecht.“

    Ich beichte ihm, dass ich meinen Fehler beim ersten Blick auf sein GPS gesehen habe und wir fahren ans Ufer bei Garda. Der Trainingstag gestaltet sich sehr schwierig und wir fangen nur kleine Flussbarsche. Es wird aber schnell klar, dass es im Gardasee für Ahnungslose wie uns nichts zu fangen gibt. Da die Chemie zwischen uns und Marcello stimmt kennen wir bis zum Abend aber zumindest die Grundsätze des Bassfishing am Gardasee. Es geht mit dem Boot zum Plaza San Marco, hier werden jetzt offiziell die Mannschaften vorgestellt.


    Dann geht es mit Blasmusik durch die Stadt.


    Nach dem Abendessen sitzen wir zusammen und tauschen unsere Erfahrungen aus.

    Das Russische Team hatte 6000€ ins Training investiert und eine Woche Guiding bei Marcello Sivero und wir haben spärliche Informationen von einem Trainingstag.
    Aber eines war klar, die Schwarzbarsche sind ganz am Ufer in den Steinen oder dem Schilf. Bei dem klaren Wasser und der Fischgröße kommt nur Finessefishing in Frage. Ich sehe immer noch sein Gesicht, als ich mit der Baitcastrute meinen ersten Wurf mit einem Jig und Zippershakerworm gemacht habe. Blicke sagen manchmal mehr als Worte. Wie muss das weh tun, wenn du Guide bist und siehst was die zwei auf deinem Boot für einen Stiefel fischen und du darfst nichts sagen.

    Dann endlich der erste Wertungstag. Der See ist glatt und wir in der ersten Startergruppe. Wir haben Vollmond und die Barsche haben über Nacht gefressen. Die ersten Minuten sind jetzt entscheidend. Marcello sagt er hat noch eine Überraschung für uns. Ich warte schon auf den entscheidenden Tipp, da macht er das Handschuhfach auf holt eine Skibrille raus und setzt die Wollmütze auf. Mit einem Lächeln sagt er, gestern sind wir schnell gefahren, heute fahren wir schneller. Da wusste ich was ich nicht hatte. Ich sag ihm noch wo es hingehen soll und beim Startsignal gibt er richtig Gas. Nach wenigen Augenblicken ist von den anderen Booten keines mehr zu sehen und nach fünf Minuten sind wir am ersten Spot.


    Ein kleiner Hafen mit vorgelagertem Krautfeld und trübem Wasser. Marc macht den ersten Wurf mit einem Jerkbait und die Rolle kreischt, dann ein Fluch, der Bass sitzt im Kraut und steigt aus, es war ein guter. Wieder was gelernt, die Rolle muss ganz zu sein, der Fisch darf keinen Millimeter wegziehen können sonst ist er verloren. Es folgen ein paar normale Barsche, ein Hecht, eine Karausche oder so was ähnliches, aber kein Black Bass mehr. Stellungswechsel auf nach Garda. Dort fischen schon jede menge Boote und bei einem Mindestabstand von 50 Metern finden wir nur noch wenig Platz. Wir versuchen es auf der linken Seite vor dem Hafen, zunächst ohne Erfolg. Am Badestrand in 1 m Wassertiefe dann ein Biss auf Drop Shot an einem Melon green Pepper Knoblauchwurm. Ich fange unseren ersten maßigen Fisch.

    Gott sei dank ein maßiger denke ich, denn kleine Barsche beißen noch. An der Hafeneinfahrt auf dem Eck dann ein Doppelbiss. Ich keschere beide auf einmal ab und wir verhaften Fisch Nummer zwei und drei. Dort ziehen die Barsche aus dem Hafen in die Steine. Mehr geht an diesem Tag nicht mehr. Unsere beiden anderen Boote haben leider auch ihre Fische verloren, beziehungsweise zu Kleine gefangen.



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    Nach dem Captains´Meeting und Abendessen besprechen wir die neue Strategie für Tag zwei und tauschen die gängigen Köder aus. Am Morgen des zweiten Wertungstages hat der Wind leicht aufgefrischt und es ist neblig.


    Wir entscheiden uns für die Seite bei Desenzano del Garda. Dort gibt es wenig aber große Fische, mit einem „Lucky Strike“ wäre es möglich ganz nach vorne zu kommen.

    Die beiden anderen Boote versuchen es auf der Ostseite bei Mattarana und Lazise.

    Die Fischerei an diesem Morgen ist sehr schwierig, da der Wind über Nacht nicht kräftig genug war und das Wasser bei Desenzano nicht trüb genug ist. Am Nachmittag entscheiden wir uns nach Garda zu fahren, fangen dort auch noch zwei kleine Black Bass, leider 2 Millimeter zu kurz.

    Thomas und Sven haben drei massige Fische gefangen und Björn sieben Minuten vor Schluss auch noch einen. Das bringt uns auf Platz drei der Gesamtwertung nach vorne. Thomas liegt an diesem Tag auf Platz vier und Andreas auf sieben.

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    Die Sache ist ganz eng und wenn wir am dritten Tag mit mindestens zwei Booten Fische fangen können wir Weltmeister werden. Damit hatte keiner gerechnet, vor allem nicht unsere Gegner. Die Blicke beim Frühstück von den anderen Teammitgliedern haben sich verändert.

    Nach stürmischer Nacht ist der Gardasee am nächsten morgen spiegelglatt.


    Wir entscheiden uns nach Garda zu fahren, Thomas fährt an seinen Spott vom Vortag. Andreas und Björn erleben eine Überraschung. Ihr Fahrer wurde ausgewechselt, was natürlich ein großes Handicap bedeutet, da der neue sich als eine echte „Platzpatrone“ herausstellt.

    Da der DJ am Vortag zu spät zum Start gekommen war, wurde er ausgeschlossen.

    Alle gemeinsam erarbeiteten Informationen waren für sie nun weg. Wollte da jemand nicht, dass wir Weltmeister werden?

    Nach dem Start in der dritten Gruppe ging es nun in 8,5 Minuten von Peschiera nach Garda, das sind ca. 10 km Wegstrecke. Dort waren aber keine Barsche zu finden, obwohl wir alle Spots gründlich abfischten. Dann kam die Nachricht von Thomas, dass sie einen großen Barsch erwischt hatten und Andreas jetzt an dem Platz steht. Wir verlegten unser Boot in die Nähe um bei einem Erfolg von Andreas auch den Spot befischen zu können. Nach dem Andreas nichts gefangen hatte und den Spot verließ sicherte Thomas ihn bis zu unserem Eintreffen und fing mit Sven noch zwei massige Fische. Jetzt brauchten nur noch Andreas oder wir einen Fisch.

    Am Spot angekommen sahen wir einen großen und einen kleineren Fisch aus dem Schilf in den kleinen Kanal schwimmen. Marc warf sie mit einem Yamamoto Cuttail Melon Pepper an und der kleinere saugte ihn ein. Der Anhieb saß und wir hatten unseren Fisch, aber was war das. Er hatte einen verkrüppelten Rücken und war dadurch einen halben Zentimeter zu kurz, dabei hatte er bestimmt 500 g. War damit der Titel weg?

    Wir fingen leider keinen mehr und Andreas musste aufgeben, da seine Batterien für den Elektromotor leer waren. Das wäre mit DJ als Fahrer nicht passiert. Doch es kam noch schlimmer, die Spanier hatten einen „Lucky Strike“ an der Stelle an der wir gestern waren und fingen einen Barsch von 2 kg. Ein weiteres Boot der Spanier brachte einen 270 g Barsch zur Wertung, dieser soll das Mindestmaß gehabt haben. Die anderen massigen Fische hatten aber alle 340 g oder mehr. Die Russen hatten auch wieder Fische gebracht, böse Zungen (die Rumänen) behaupteten später sie hätten verbotener Weiße im Hafen gefischt, was ich mir bei denen überhaupt nicht vorstellen kann...
    Wir waren am Boden zerstört. Dann kam die Nachricht, wir sollten uns besser umziehen gehen, da wir auf dem Podium sind. Hatten wir es wirklich geschafft? Mit den Fischen von Thomas und Sven hatten wir unseren dritten Platz verteidigt.

    Überglücklich fuhren wir mit Marcello zum Anleger zurück.


    Marcello hatte schon seine „Fat Lady“ die ich ihm heute Morgen gegeben hatte angesteckt.


    Schnell ins Hotel Duschen und wieder zum Plaza San Marco in Peschiera zur Siegerehrung.


    Das tat schon gut da oben auf dem Podium bei einer Weltmeisterschaft, schließlich hatten wir die Hausherren aus Italien und Profis wie Gary Yamamoto, Charlie Weyer, Joe Jones, Terry Battisti, Ron Colby um nur einige zu nennen, hinter uns gelassen.


    Charlie Weyer ist (der mit der orangenen Weste) immerhin zweimaliger Toursieger in USA mit sechsstelligen Preisgeldern dotiert.

    Wie sagte Beverly Yamamoto beim Bankett zu uns: „My Friends, you did a great Job“.


    Sehr stolz und doch mit einem weinenden Auge über die um zwei Millimeter verpasste Weltmeisterschaft traten wir die Siegesfeier an.

    Was gibt es schöneres als an seinem Geburtstag auf dem Podium einer Weltmeisterschaft zu stehen. Wir haben viele neue Freunde gewonnen, die wir vielleicht im kommenden April in Mexiko wiedersehen.

    Highscore:


    Euer Klaus!