• Erfahrungsbericht: Tailwalk BackHoo RISE S632L

    Erfahrungsbericht: Tailwalk BackHoo RISE S632L

    Nachdem mir bei einem Forellentrip diesen Frühjahr meine geliebte Evergreen Spinning gebrochen ist, machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Rute, die mich von da ab am Bach und an kleinen Flüssen bei der Forellen- und Döbelpirsch begleiten soll. Eines stand für mich direkt fest, übermäßig teuer darf der neue Stock nicht sein. Bei der Kletterei über Stock und Stein und dem dichten Terrain am Wasser habe ich, nach dem Bruch meiner Alten, gelernt, dass hierbei Stürze oder riskante Aktionen (für das Material) durchaus vorkommen. Dennoch ist es mir wichtig, gute Qualität in den Händen zu halten und eine funktionelle, tolle Rute zu fischen, mit der ich schöne Stunden am Wasser verbringen kann.



    Da ich an den meisten Gewässern auf kleine Softbaits zwischen 2“ (~5 cm) und 3“ (~7,5 cm)
    setze, suchte ich nach einer Rute mit einer leichten Spitzenaktion. Darüber hinaus sollten
    damit auch ab und an kleine Hardbaits (vor allem Minnows) attraktiv präsentierbar sein.
    Wichtig war für mich ein sensibler Spitzenbereich kombiniert mit einem knackigen Rückgrat,
    um auch größere Fische aus der Strömung und diversen Hindernissen raushalten zu können.
    Um ein geringeres Transportmaß für dicht bewachsene Ufer oder kleine Autos zu erzielen,
    sollte die Rute auf jeden Fall zweigeteilt sein. Das Gewicht der Rute sowie der Griff spielen
    ebenfalls eine Rolle: leicht, Duplon und wenn möglich einkurzer Foregrip, da ich gerne mit
    dem Zeigefinger am Blank fische.

    Nach längerer Suche stieß ich bei Nippon Tackle auf ein recht neues Modell der
    Rutenschmiede Tailwalk.

    Die Tailwalk BackHoo RISE S632L

    Länge (ft/m): 6'3'' / 1,91 m
    Aktion/Taper: Fast
    Wurfgewicht (oz/g): 1/32-1/4 Oz / 0,9-7g
    Angegebene Schnurstärke: 3-6 lbs
    Teilung: 2teilig
    Transportlänge: 99,0 cm
    Grifflänge mit Rollenhalter: 31,5 cm
    Grifflänge ohne Rollenhalter: 26,0 cm
    Beringung: FUJI KR-SiC Guides
    Preis: 159,00 €






    Rein von den angegebenen Daten eigentlich optimal: leicht, fast, geile Optik, zweiteilig und
    mit ~160 € noch im Preisrahmen. Bedenken hatte ich, ob die Rute für den Bach vielleicht
    nicht doch overpowered sei, da die Tailwalk BackHoos ja bekanntlich schon Bums haben. Nach kurzer Beratung mit Marco von Nippon Tackle lag das Ding dann im Einkaufswagen und war zwei Tage später bei mir.

    Der erste Eindruck beim Probewedeln war positiv: weitestgehend sauber verarbeitet, Ringe
    alle gerade, liegt gut in der Hand und der Blank entspricht von der Power absolut einer
    L-Rute. So hab ich mir das vorgestellt! Das Design im edlen Carbon-Look
    mit goldenen Parts und der kurze Foregrip sind sicher Geschmacksache, mir jedenfalls gefällt es. Der Griff ist mit 26 cm ab dem Rollenhalter im Vergleich zu klassischen Bachruten etwas länger, für den Gummieinsatz gut; bei einer typischen Hardbaitrute müsste dieser jedoch kürzer sein.



    Mittlerweile hat mich die BackHoo RISE S632L schon einige Angeltage am Wasser begleitet.
    Für mich ist die RISE eine Rute, die für das Fischen mit Softbaits prädestiniert ist. Durch die
    leichte Spitzenaktion ist eine gute Kontrolle und eine attraktive, agile Köderführung möglich,
    wobei man eine gute Rückmeldung (bei dehnungsarmer Schnur) hat. Rein wurftechnisch
    sehe ich den Idealbereich für eine gute Aufladung der Rute zwischen 4 g und 7 g
    Ködergesamtgewicht (Jig + Trailer). Damit kommt man auf jeden Fall gut auf Weiten, was an
    kleineren Gewässern, wie ich sie befische, jedoch eine eher untergeordnete Rolle spielt.

    Das Jiggen und Riggen von 2“ und 3“Gummis bei Jigköpfen / Gewichten zwischen 2 g und
    5 g, ist in meinen Augen das Kerngebiet dieses Modells. Gerade die gängigen schlanken
    Softbaits à la Flash J (Fish Arrow) oder Easy Shiner (Keitech) lassen sich außerordentlich
    gut präsentieren. In besonderen Fällen neige ich dazu auch mal Minigummis in 3-5
    cm an 2 g-Köpfen zu fischen, um zum Beispiel kleine Brutfische zu imitieren oder sehr
    scheue Fische aus der Reserve zu locken. Das ist definitiv die Untergrenze der Rute,
    da hier die Aufladung beim Wurf und die Köderkontrolle nachlassen. Nach oben hin sehe
    ich bei 3“-Gummis und 5g-Köpfen die Obergrenze die weiche Spitze lässt sonst eine
    zackige Köderpräsentation nicht mehr zu.



    Da Softbaits nicht in jeder Situation am Bach von Vorteil sind und ich nicht vorhabe, mich mit
    zwei Ruten durch das Gebüsch zu kämpfen, fische ich an der BackHoo RISE sogar Hardbaits,
    auch wenn dies nicht ihr optimales Einsatzgebiet ist. Kleine Minnows und nicht zu
    druckvolle Cranks in 4-7 cm Länge lassen sich dennoch ganz ordentlich fischen. Vom Illex
    Tiny Fry in 50 mm (2,7 g) bis zum ZipBaits Rigge 70F (5 g) fische ich je nach Situation und
    Strömung verschiedene Wobbler.

    Jedoch schluckt die Spitze bei zu großen bzw. massigen Wobblern einiges an Aktion, die der
    Angler dem Köder beim Twitchen mitgeben will, sodass die Köderpräsentation leidet. An
    einem Gewässer im tiefsten Schwabenland hatten meine zwei Angelkumpels und ich einen
    Tag, an dem die Bachforellen sich absolut nicht für Gummis interessierten und nur auf
    aufblitzende Minnows bissen.

    Auch da konnte ich dann mit entsprechend getwitchten Hardbaits an dem neuen Stock noch
    einige Fische fangen. Also das kann man durchaus auch mit der BackHoo Rise, selbst wenn
    sie dafür sicher nicht entwickelt wurde. Sehr gerne versuche ich ebenso kleine Spinnerbaits
    wie die Areas (⅛ Oz = 3,5 g) von Lucky Craft am Bach, da man diese genial absinken lassen
    kann, während diese am Abtrudeln sind.

    Das geht mit der weichen Spitzensektion stromabwärts ganz gut, da diese die Vibrationen
    etwas abpuffert und trotzdem eine gute Kontrolle über den Spinnerbait erlaubt. Gegen den
    Strom ist der Wasserdruck jedoch zu stark, um eine sinnvolle Präsentation zu ermöglichen.



    Für mich ist die sensible, weiche Spitze einer Rute mit leichter Spitzenaktion, wie bei der
    BackHoo RISE S632L, gerade bei vorsichtigen, spitzen Bissen auch ein Vorteil, da man
    wesentlich mehr Gefühl hat und meiner Meinung nach daher auch mehr Fische hakt.
    Allerdings ist es wichtig, auch an kleinen Bächen und Flüssen Reserven in Form eines
    knackigen Rückgrats zu haben, um auch kapitale Forellen oder eventuelle Beifänge im Drill
    kontrollieren und von Hindernissen fern halten zu können.

    Zu schwaches Gerät ist da schnell überfordert und es gibt schließlich nichts Ärgerlicheres,
    als wenn ein richtiger Brocken einsteigt, der sich dann im Wurzelwerk verabschiedet, weil
    man ihm keine Paroli bieten kann. Diese beiden Eigenschaften – sensibler Spitzenbereich
    und ausreichend Rückgrat zu kombinieren war die grundlegende Voraussetzung für meine
    neue Forellenrute. Diese erfüllt die BackHoo RISE für mich sehr gut, weshalb ich absolut
    zufrieden bin.



    Abschließend lässt sich sagen, dass die BackHoo RISE rein von der Haptik und Optik
    definitiv teurer wirkt, als sie ist (vor allem wenn man sich die Herstellerpreise in Japan
    anschaut). Von den Komponenten und der gesamten Komposition bekommt man auf jeden
    Fall eine geile Rute zu einem angemessenen Preis. Meiner Meinung nach ist sie für die
    Gummianwendung prädestiniert, egal ob auf Forelle am Bach oder auf Barsch am See. Für
    mich jedenfalls ist sie die Rute für die Forellenpirsch, die ich gesucht und schließlich
    gefunden habe. Und jetzt ab ans Wasser!



    Tight Lines,
    Jonas
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Erfahrungsbericht: Tailwalk BackHoo RISE S632L - Erstellt von: JonasM. Original-Beitrag anzeigen
    Kommentare 2 Kommentare
    1. Avatar von LatschoKing84
      LatschoKing84 -
      Schönes Review! Danke
    1. Avatar von Wurmbademeister
      Wurmbademeister -
      J.Finde ich auch.Ich habe die backhoo in der castingversion (C632 ml) Ich habe drei Tailwalk Ruten.Und alle drei sind super..Evtl. hole ich mir die du da beschrieben hast auch noch