• Rutenbau-Tutorial : Das Gesamtwerk ! Teil 2

    Verkleben des Handteils ( Ab hier gilt die Vorgehensweise wieder für Alle, egal ob Kork, Duplon, usw. Kleben muss jeder ! )

    Hier die benötigten Materialien :

    2 Komponenten-Kleber, Spritzen zum Dosieren der Komponenten, Pinsel, Klebeband zum Unterfüttern, Reiniger, Tücher,



    Nun werden Alle nötigen Vorbereitungen vor Anmischen des Klebers getroffen und die Teile sortiert bereit gelegt. Der Blank wird vor und nach dem Unterfüttern entfettet, da man zu diesem Zeitpunkt noch mit den Fingern daran zu Gange ist.
    Beim Kleben selber möglichst nicht mehr die Klebeflächen vor dem Auftragen des Klebers berühren.
    Der Rollenhalter musste wie weiter oben erwähnt leicht unterfüttert werden. Dies geschah hier mit Klebeband an 3 Stellen, die später unter dem Rollenhalter liegen :



    Der Kleber wird dann in die Spritzen gezogen und beide Komponenten zu gleichen Teilen in den Becher gegeben. Mit dem Pinsel sorgfältig umrühren, bis eine gleichfarbige Masse entsteht.




    Dann großzügig auf dem gereinigten Blank verteilen, wo das Duplonteil sitzen soll und das Formteil von Richtung der Steckverbindung her nach hinten auf den Blank schieben bis die richtige Position erreicht ist. Der Kleber der dabei mitgezogen wird, lässt sich dann direkt zur Befestigung der Endkappe nehmen, dann saut man nicht so damit rum.




    Selbe Vorgehensweise beim Rollenhalter, diesen auch von Richtung der Steckverbindung her aufschieben und evtl. etwas hin und her drehen, sobald er auf die Unterfütterung trifft, um den Kleber schön zu verteilen.



    Danach Alles schön fest zusammen drücken und überschüssigen Kleber, falls irgendwo welcher durchdrückt, direkt mit Reiniger entfernen



    Fertig ist das Handteil ! Nun darf sich zurückgelehnt werden, der Kleber trocknet über Nacht durch.


    Part 4 : Herr der Ringe.....und des Wickelgarns

    Nun kommen wir zu einem weiteren, sehr wichtigen und dem fummeligsten Teil beim Rutenbau.
    Das Wickeln der Ringe geschieht mit speziellem Garn. Einfach Oma´s Nähstube plündern ist also nicht, man sollte schon auf die angebotenen Garne der Rutenbauer zurückgreifen. In diesem Fall verwenden wir Garn der Stärke "A", es gibt auch noch Stärke "D", welches allerdings eher für schwere Jerkruten, Wallerruten und Meeresruten in Frage kommt.

    Materialien und Werkzeuge :

    Ich zeige euch erstmal den Arbeitsbereich und die Werkzeuge :

    Zu sehen sind der Blank auf den Wickelböcken, welche in der Platte meiner Wickelbank liegen und frei verschiebbar sind. In der hinteren Reihe sieht man den Garnhalter mit den 2 Sorten Garn die ich verwenden möchte. Rechts ist Platz für ein paar Zwingen und die Kleber und Lacke, die man braucht ( Unter anderem auch die 2 Komponenten für den Verbau des Rollenhalter´s ).
    Links diverse Sorten Klebeband zum fixieren des Garns ( gilt nicht für Menschen mit 3 Händen ) während des Wickelns und zum Fixieren der Ringe beim Anwickeln.
    Rechts unten liegen die Ringe bereit, mittig dazwischen eine Rasierklinge und ein Tool, welches aus einer alten Zahnbürste rausgefeilt wurde. Dies dient dazu das Garn zu "packen". Damit ist schlichtweg gemeint die Abstände zwischen den Garnwindungen zu verdichten, um eine schön gleichmäßig geschlossene Wicklung zu bekommen. Dazu später mehr.



    Hier das Tool in Nahaufnahme, die geschliffene Kante schiebt später das Garn. Man kann auch spezielle Tools kaufen, ein Eigenbau ( aus einer Zahnbürste z.B. ) tut´s aber allemal.



    Hier eine Nahaufnahme der Ringe, die zum Einsatz kommen.
    ( auf dem großen Ring sind Rückstände der Beschichtung geflochtener Schnur zu sehen, ich hatte anscheinend vergessen ihn zu säubern, nur falls sich jemand wundern sollte )



    Etwas Theorie zur Wahl der richtigen Beringung :

    Ich binde einen sogenannten "Spiral Wrap". Ein Spiral Wrap besteht im wesentlichen daraus, dass anders als bei einer typischen Baitcaster-Beringung ( Rolle oben, Ringe oben ), die Ringe sich um den Blank winden und je nachdem über wie viele Windungen, irgendwann so um den Blank verlaufen, dass die letzten Ringe wie bei der Beringung einer Stationärrute liegen ( Rolle unten, Ringe unten ).
    Dies hat den Vorteil, das weniger Kraft auf dem Spitzenring liegt, da dieser bei einer Baitcastberingung dazu neigt, schnell zu "schnalzen", wenn die Spitze unter Belastung im Drill verdreht wird. Dies lässt sich selbst nachvollziehen, wenn man zu Hause die Schnur durch die Ringe fädelt, irgendwo festbindet, leicht an der Rute zieht wie beim Drill, sodass sich Druck auf der Spitze aufbaut und die Rute dann auf ihrer Parallel-Achse leicht dreht. Der Spitzenring springt dabei häufig in eine bestimmte Richtung. Das ist mehr oder weniger deutlich zu merken. Dieses Phänomen tritt bei einer Stationärberingung nicht auf. Zudem verhindern wir, dass die Schnur unter Vollbelastung am Blank schleifen kann und somit Schäden verursacht und können Ringe einsparen, weil wir die Schnur nicht vom Blank fernhalten müssen, da dieser Aufbau das von selbst tut.

    Das ist aber schon Theorie für Fortgeschrittene, zu Anfang empfehle ich nach Mustern aufzubauen, die von z.B. Fuji vorgegeben sind. Es gibt PDF-Dateien zum Download auf denen Musterberingungen, passend für jeweilige Rutenlängen mit Angaben zum Abstand und zu Größe der Ringe angegeben sind. Damit liegt man idR nie falsch, da diese Aufbauten erprobt sind.
    Ich gehe in meinem Aufbau einen Schritt weiter und binde eine Beringung ohne Vorgabe, bei der der Startring/Bockring ( erster Ring nach dem Rollenhalter ) direkt um 90° nach links versetzt am Blank liegt und die Schnur dann in einen Ring führt der 180° "unten" am Blank liegt. Das ist ein Spiral-Wrap über einen Ring. Häufig wird über 3 oder 4 Ringe gedreht, um die Schnur harmonisch zu führen. Da mein Aufbau von mir bereits eine Saison erprobt ist, binde ich wieder nach dieser Methode.

    Ab hier geht es also um das reine binden, was für jeden der einen Ring an den Blank bindet gilt, unabhängig davon, wie der Ring später am Blank liegt.

    Ich verwende sehr kleine Ringe, der Startring ist ein Doppelsteg, der 1. Führungsring ein Größe 6 Einsteg und die restlichen Führungsringe bis zur Spitze Größe 4 Einstegringe ( die kleinste Größe die es bei Fuji-Ringen gibt soweit ich weiß ). In meinem Fall Fuji Alconites, da sie einen schwarzen Rahmen besitzen. Die Einlagen sind allerdings auch für die meißten Zwecke ausreichend, ich bin der Ansicht, es muss nicht immer SIC sein. Ich habe allerdings einen Edelstahl-Spitzenring mit SIC-Einlage verbaut, da dies mein Gewissen beruhigt :D.

    In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, die Stege der Ringe zu bearbeiten, sodass sie :
    1.) Sauber und vollflächig auf dem Blank aufliegen ( sehr wichtig )
    2.) Die Stege nicht zu viel Materialstärke haben, umso schwerer ist es, das Garn den Steg rauf zu wickeln und umso dicker wird die ganze Wicklung später
    3.) Die "Stufe" von Blank zum Ring hoch schön homogen zu schleifen, damit man leicht mit dem Garn den Ringfuß hinauf wickeln kann.

    Hier habe ich die Enden der Ringfüße etwas angeschliffen, um Punkt 3 zu erfüllen. Bei so kleinen Ringen sind die Stege häufig nicht besonders dick und plan aufliegen tun sie bei Einsteg-Ringen sowieso sehr gut. Bei Zweisteg-Ringen muss man evtl. die Stege etwas hinbiegen.



    Ringe fixieren und anlegen einer Zierwicklung :

    Fangen wir also an. Zuerst wird der Ring an der dafür vorgesehenen Stelle ( Nach Beringungstabelle Position ausmessen, mit Bleistift anzeichnen, Ring dort mit Klebeband fixieren. ) Hier ist auch schon zu sehen das das Garn um den Blank gelegt ist und ist rechts ( wir wickeln von links nach rechts in diesem Fall ) am Blank fixiert ist, damit man es einfacher hat den Anfang zu wickeln.



    Nun wird das Garn mit weiteren Windungen umwickelt und somit gefestigt und fixiert :



    Ich habe ca. 5 Wicklungen gemacht, das reicht mir aus für eine Zierwicklung, schiebe das Garn etwas zusammen und ziehe es leicht stramm, damit es sich möglichst selbst fixiert. Nun schneide ich den überwickelten Faden der nach rechts zeigt bündig ab ( Rasierklinge wird vorsichtig flach über die Bindung gelegt und der Faden quasi nur durch strammhalten und gegenschieben der Klinge abgetrennt. Alles ohne viel Druck oder hektisches schneiden ).
    Im Bild ist die Klinge noch vor der Bindung, damit man sieht von wo sie kommt. Im weiteren Verlauf wird sie natürlich über die angelegte Bindung geschoben und schneidet den Faden rechts durch.




    Der schwarze Faden wird nun über den Ansatz des goldenen Garns gelegt, um die Wicklung damit ebenfalls zu fixieren. Nun sichert der schwarze Faden die goldene Wicklung ( im besten Fall, auf den nächsten Fotos hat sich leider die goldene Bindung wieder geöffnet, was aber nicht schlimm ist, wie man diese wieder fixiert zeigt der weitere Verlauf.



    Dann würden ein paar Bindungen gemacht werden ( 4 bis 5 ) und der goldene Faden, der hier mit Klebeband am Ring gesichert war, abgeschnitten. In diesem Fall hat sich wie gesagt die Bindung gelöst, deswegen ist der Schritt hier nicht zu sehen.



    Wir wickeln dann weiter den Ringfuß rauf.



    Wenn einige Windungen auf dem Fuß liegen, kann man das Tool benutzen, um die Bindung zu verdichten. Dazu schieben wir ganz vorsichtig aus Richtung des Ringfußes vom Ende der Bindung her nach links und schieben die Fäden somit gegeneinander auf, sie bilden dann eine gleichmäßige, saubere "Reihe".



    Danach binden wir solange den Ringfuß entlang, bis wir kurz vor dem Ende des Fußes am Übergang des Ringes sind ( so ca. 5-6 Bindungen fehlen noch ) und binden eine Schlaufe aus Monofiler Schnur mit ein.



    Diese dient dazu das Garn, wenn die Wicklung fertig bis an den Ringsteg gebunden ist, unter der bereits vorhandenen Wicklung durchzuziehen und damit die gesamte Wicklung "unsichtbar" zu fixieren. Der Faden wird dazu von der Garnrolle abgeschnitten, sodass ein ausreichendes Stück übrig bleibt, um es in die Monofil-Schlaufe zu legen. Diese ziehen wir dann stramm, bis die Schlaufe ein kleines Stück unter der Bindung liegt. Dann können wir mit dem Tool die Bindung noch etwas stauchen.



    Danach wird die Schlaufe durchgezogen und der Faden liegt unter den Windungen.
    Faden abschneiden und fertig ist die Bindung :



    Das goldene Garn, welches nun ja nach wie vor fixiert unter der schwarzen Bindung liegt, wird nun einfach von rechts nach links rückwärts gebunden. Außerdem wird die Monfil-Schlinge direkt mit eingebunden, um die kleine Zierwicklung dann am Ende festziehen zu können :






    Auf diese Weise lassen sich einfache Wicklungen erstellen. Auch ein Zierfaden mit anzubinden stellt einen anfangs nicht vor eine unlösbare Herausforderung, es ist aber durchaus knifflig, da man sich teilweise mehrere Hände dafür wünscht und sich am besten mit Hilfsmitteln einen Gefallen tut ( Garn mit Klebeband irgendwo fixieren, damit es nicht frei herum hängt, usw...)

    Ich versiegle dann gern die fertige Bindung mit einem Farbfixativ. Die Chance das die Bindung sich dann löst, wenn weitere Wicklungen am gleichen Blankstück angebracht werden verringert sich und die Bindung kriegt ( gerade bei farbigem Garn wichtig ) eine Versieglung die vor Vergilbung oder ausbleichen der Farbe schützt. Allerdings wird farbiges Garn idR etwas dunkler, wenn ein Fixativ aufgebracht wird. Dies ist in meinem Fall schnelltrocknend auf Acrylbasis, man kann bereits nach kurzer Zeit weiterbinden.




    Jetzt habe ich mich dem abbinden der Steckverbindung am Handteil zugewandt. Eine kleine Bindung auf dem Handteil hinter dem Überschub lässt den Eindruck eines Zapfens entstehen, was ich immer recht ansehnlich finde. Im Prinzip hat diese Bindung ansonsten keinen Nutzen.

    Ich habe einfach das schwarze Garn angebunden, dann einen goldenen Faden für 4 Wicklungen untergelegt und das goldene und schwarze Garn nebenbeinander gebunden. Das goldene habe ich dann wieder für 4 Wicklungen unter das Schwarze gelegt und jeweils die Enden bündig abgeschnitten. Dann das schwarze Garn bis zum Punkt gewickelt, den ich markiert hatte ( kurz vor dem Anfang des Spitzenteils ) und dann wie oben beschrieben mit der Schlaufe untergelegt unter 5 Wicklungen zurück geführt und abgeschnitten.




    Auf dieselbe Art und Weise werden auch einfarbige Wicklungen gelegt.
    Zuerst den Ring fixieren mit Klebeband, dann den Anfang des Garns 4-5 mal überwickeln nach rechts überwickeln, festziehen, abschneiden. Weiterwickeln bis kurz vor die Ringstege, zwischendurch immer mal wieder die Bindungen mit dem Tool zusammenschieben bei 4-5 übrigen Wicklungen die Mono-Schlinge einbinden, Faden weiterwickeln, lang genug abschneiden, durch die Schlinge fädeln, Schlinge samt Faden durchziehen, Überstand abschneiden, fertig.










    Auch bei den ganz kleinen Ringen natürlich dasselbe Verfahren, mit Geduld und wenn man sich Mühe gibt, entstehen schöne, saubere Wicklungen :



    Part 5 : Vor- und ablackieren der Bindungen

    Widmen wir uns nun dem letzten Teil des Rutenbaus, dem Lackieren bzw. Versiegeln der Bindungen.

    Vorerst sollten die Bindungen vorsichtig mit einem geeigneten Reinigungsmittel wie z.B. Pinselreiniger vorsichtig entfettet und danach möglichst nicht mehr berührt werden, damit der Lack eine fettfreie Basis vorfindet, auf der er eine gute Haftung entfalten kann.

    Ich beschreibe hier den Vorgang, wie ich ihn gelernt habe.
    Nen Tipp aus dem Rutenbau Forum hat mir da Abhilfe geschaft. Zum einen den Lack vor dem Anrühren gut 10 Minuten auf die Heizung legen. Dadurch wird er wärmer=flüssiger und die Bläschen, die beim Anrühren entstehen leichter entweichen. Nachdem der Lack fertig vermischt ist, kippe ich ihn auf eine ~ 15 x 15 cm große Alufolie, die ich vorher mit Pinselreiniger gereinigt habe. Das Ganze lässt man dann nochmal kurz stehen oder bearbeitet es kurz mit dem Feuerzeug (von unten). Dadurch sollten dann wirklich auch die letzten Bläschen aus dem Lack kommen.

    Die Bindungen reinigie ich ebenfalls vor dem Lackieren mit Pinselreiniger um mögliche Fettrückstände von den Fingern zu entfernen.

    Zuerst wird die Rute in den Trockenmotor gespannt, bei mir ein simpler Discokugelmotor mit 5 U/min, auf einer Trägerplatte und einem v-förmigen Stück Siebdruckplatte, auf das ein Haargummi gezwirbelt ist, um den Griff der Rute dort einzuschlaufen. Rechts eine v-förmige Auflage in der die Rute gleichmäßig ihre Runden drehen kann.



    Ich nutze hierfür einen 2-Komponenten Lack den es bei CMW fertig in Spritzen zu kaufen gibt mit Skalen zur richtigen Dosierung im Verhältnis 1:1. Das Ganze ist quasi idiotensicher ;).
    Für meine Bindungen brauche ich weniger als 4ml, also wirklich eine Kleinstmenge.



    Weitere Werkzeuge und Materialien sind ein Pinsel, ein kleiner Schnapsbecher ( für den Lack, vielleicht auch einen zweiten Becher für ein Gläschen zwischendurch, wenn beim Lackieren eine ruhige Hand benötigt wird ).
    Außerdem ein Feuerzeug und einen Einwegpinsel (die Menge Pinselreiniger ist vermutlich teurer als so ein Pinsel... )



    Den Lack GUT durchrühren, damit auch sichergestellt ist, dass ich beide Komponenten komplett miteinander vermengen.
    Ich lackiere mit laufendem Trockenmotor, man kann aber auch manuell drehen und den Lack aufbringen und Alles erst zum trocknen in den Motor einspannen, falls es leichter fällt.
    Danach eine gute Menge Lack auf den Pinsel nehmen und vorsichtig an die Bindung ansetzen. Hier wird nicht gepinselt im eigentlichen Sinne, viel mehr soll der Lack einfach den Pinsel hinunter auf die Bindung fließen, deswegen den Pinsel satt in den Lack tauchen und einfach fließen lassen. Ist dann eine gewisse Menge Lack auf der Bindung und die Rute ein paar Runden gedreht, sodass die Bindung allseitig etwas abbekommen hat, dann kann man anfangen ihn gleichmäßig links und rechts auf die Bindung bis an die Ränder zu schieben. Dort wird es nun etwas knifflig, da man den Lack erst dazu bringen muss, die Außenkante am Garn hinab zu wandern, gleichzeitig aber aus optischen Gründen aufpassen sollte, nicht zu weit über das Ende der Bindung heraus zu lackieren, aber auch nicht zu wenig Lack dort hinzubringen, damit das Garn später allseitig gut geschützt ist. Besonders schwierig stellt sich dieser Teil des Geschehens später bei den Ringstegen dar. Dort muss man dann evtl. nochmal Lack aufnehmen und gezielt an den Ringsteg tupfen, damit dort keine Lücke entsteht.



    Wenn man den Lack auf allen Bindungen aufgebracht hat, wird man häufig eine Blasenbildung im Lack feststellen können. Um diese aus dem Lack zu kriegen, kann man aus einiger Entfernung ein Feuerzeug neben die lackierte Bindung halten und hin und her schwenken, um die Blasen "aus dem Lack zu ziehen". Ich denke das der Vorgang deshalb funktioniert, weil die Flamme der Umgebung die Luft entzieht und die Bläschen quasi gezwungen werden ihre Luft an die Flamme abzugeben. Ansonsten kenne ich keine genaue Beschreibung warum dieser Vorgang funktioniert, jedenfalls sollte man damit nach kurzer "Brenndauer" saubere, blasenfreie und klare Bindungen erhalten.
    Das Feuerzeug sollte dabei neben oder über die Bindung gehalten werden, mindestens 3cm Abstand zum Blank und immer hin und herbewegen, damit es nirgends zu heiß wird. Außerdem das Feuerzeug nicht in unmittelbarer Nähe zur Bindung anmachen, da hierbei kleine Rußpartikel in den Lack geschleudert werden könnten.




    Das war es dann vorerst, trocknen lassen für mindestens 24 Stunden.
    Bei solch kleinen Ringbindungen, kann man bereits mit einmal lackieren ein gutes Ergebnis erzielen und eine geschlossene Lackfläche erhalten. In den meißten Fällen und gerade anfangs ist das garnicht so einfach. In vielen Fällen ist daher noch ein zweiter oder gar dritter Auftrag notwendig.
    So auch in meinem Fall, da an zwei Stellen ein paar Garnfussel durch den Lack dringen. Wie man diese beseitigt zeige ich in Teil 2.

    Part 5, Teil 2
    Heute bin ich endlich dazu gekommen den Rest des Tutorials fertig zu stellen

    Dieser Teil wird zeitgleich auch der kürzeste, denn soviel auf dem Weg zur Fertigstellung ist garnicht mehr zu tun.

    Erstmal schauen wir uns die erste Lackschicht genau an und werden feststellen, dass einige Unebenheiten, eingeschlossener Staub und Garnfussel kleine Pickelchen im Lack hinterlassen haben :



    Diese lassen sich recht einfach und kontrolliert mit einer Rasierklinge abschneiden. Dabei muss nur drauf geachtet werden die Klinge flach anzusetzen und nicht zu tief zu schneiden. Mit der nächsten Schicht Lack werden diese Stellen dann von selbst wieder unsichtbar und egalisiert, hier sieht man die Stellen wo ich die Klinge ansetzen musste :



    Danach vollführt man einfach die in Part 5 gezeigten Schritte zum Bindungen lackieren nochmals.
    An dieser Stelle möchte ich mal eine Erfahrung schildern die ich dabei heute hatte:

    Ich habe alle Tips beherzigt die im vorherigen Thema ( siehe Zitat Part 5 ) gegeben wurden, also Lack in den Spritzen auf der Heizung vorwärmen, flach auslaufen lassen in einem Behältnis, kontrolliert erwärmen. Half bei mir Alles nichts, der Lack blieb einfach voller Blasen und beim auftragen hatte ich eine der schlimmsten Lackierungen die ich je gemacht hab.
    Deswegen kam auch bei mir heute wieder die Feuerzeug-Methode zum Einsatz, die ich bereits geschildert hatte. Ich kann hierbei einfach kontrollierter sehen, wann die Blasen verschwinden und vor Allem auch, wann der Lack flüssig wird und anfängt zu verlaufen.
    Nachdem ich den erwärmten Lack von der Heizung nämlich auftragen wollte, hatte er bei der letzten Bindung fast wieder dieselbe Viskosität wie vor der Heizungsbehandlung.
    Erwärme ich ihn an der Bindung mit dem Feuerzeug, kann ich genau sehen, wann er so flüssig wird, das sich eine Art Tropfen bildet der nach unten an der Bindung zieht ( Der Blank dreht sich bei mir ja während des lackierens und nach kurzem erwärmen sieht man deutlich wann der Lack den Drang hat schwerkraftgerecht nach unten abzufließen). Dann halte ich an mit der Erwärmung und 2 Runden später ist der Lack blasenfrei und durch die Drehung sauber auf der Bindung verlaufen und hat sich gleichmäßig an den beim ersten Mal lackierten Rändern verteilt. Weiter fließt der Lack nicht, benetzt aber gleichzeitig die ganze bereits lackiere Fläche gleichmäßig.

    Bei diesem zweiten Lackiervorgang muss also nicht zwingend wieder bis an die Kanten ranlackiert werden. Wenn man den Lack ausreichend erwärmt, sodass er fließfähig wird, verteilt er sich nahezu von selbst an den vorgegebenen Rändern.

    So sehen die Bindungen bei mir nach dem zweiten Lackiergang aus, Makro-Aufnahmen sind übrigens einfach grausam, da sie jeden Fehler aufdecken ;).
    Aber wir wollen hier ja was lernen. Teilweise sieht man deswegen das trotz aller Mühen beim binden, packen der Bindungen und dem Versuch möglichst staubfrei und sauber zu lackieren, immernoch Stellen entstehen an denen deutlich wird, worauf man beim nächsten Mal noch etwas mehr achten sollte.

    Ich denke aber nur so kann man sich auch verbessern.





    Da dies aber "erst" mein 6. Aufbau/Umbau ist, bin ich doch sehr zufrieden mit dem Ergebnis und konnte auch diesmal wieder was lernen. Wie man einen Reargrip selbst herstellt beispielsweise. Ich bin auch durch und durch zufrieden mit dem Aufbau ansonsten und mag die Rute sehr. Hoffe ich kann sie bald mal probewerfen, wir haben derzeit leider Schonzeit, was sich bis Mai auch nicht ändern wird.

    Bilder von der neuen Biegekurve bei gleicher Belastung werde ich noch machen. Außerdem noch ein paar gute Fotos bei Tageslicht vom gesamten Aufbau und den Highlights.

    Diese werden dann hier in dem Post zu finden sein. Die Umlackierung der Rolle wurde (vorerst) leider auf Eis gelegt, da die Kosten in keinem Verhältnis zum Ergebnis stehen.
    Ich werde ihr allerdings noch passende Gold-Schwarze Knobs verpassen, dann sieht es bis auf das Grün der Curado wenigstens etwas einheitlich aus. Ich suche dennoch weiter nach Alternativen. Vielleicht gibt es ja engagierte Leute die sowas auch für Bezahlung machen würden !? Rund 150€ für Airbrush und Mini-Sandstrahlgerät übersteigen allerdings die angestrebten Ausgaben deutlich.

    Die Rute wird nun abschließend noch mit etwas Wachs aus dem Autopoliturbereich behandelt, um dem (momentan ja nur geschliffenen) Blank etwas Schutz vor Schmutz zu geben. Einfach mit einem fusselfreien Tuch auf den Blank aufpolieren ( nur Wachs zum versiegeln, keine Schleif-Politur verwenden. )

    Ich hoffe ansonsten das Euch das Tutorial geholfen hat, hoffe das ich ein paar Leute bewegen konnte wieder etwas Liegengelassenes anzufangen oder Neueinsteigern den Anstoß zur Sucht gegeben habe :D.

    Danke für die Teilnahme am ursprünglichen Thema, die vielen grünen Kekse und die positiven Zusprüche.
    Das spornte sehr gut an dieses Projekt hier fertigzustellen und ich freue mich jedesmal über die hohe Qualität der Diskussionen.

    Damit beende ich das Tutorial soweit und werde, wenn mir noch etwas einfällt Ergänzungen treffen, wie z.B. der Linkliste im Startpost !

    Liebe Grüße, Mike !

    Alte Biegekurve vor Umbau :



    Bilder der Biegekurve vom fertigen Umbau bei 500g Last



    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Rutenbau-Tutorial : Das Gesamtwerk ! - Erstellt von: -GT- Original-Beitrag anzeigen
    Kommentare 3 Kommentare
    1. Avatar von Dietmar
      Dietmar -
      Hi,

      auch hier noch ein paar Tips.

      Wenn Du bei der Griffmontage langer Griffe nur Kleber auf den Blank aufstreichst, kann das möglicherweise schiefgehen. Wenn das elastische Griffmaterial (Duplon, Gummi-Kork, Kork...) schon oben sehr stark am Blank anliegt, schiebst Du den Kleber vor dir her. Er wandert jedoch nicht unter den Griff. So kann es passieren, das nur das untere Ende richtig verklebt ist, das obere Ende am Rollenhalter jedoch nur durch die Elastizität des Griffmaterials anliegt. Will man auf Nummer sicher gehen, dann muss man auch auf die Innenseite des Griffes Klebstoff auftragen. Nach dem Schieben in die endgültige Position, muss dann anschließend der Blank mit Spiritus gereinigt werden.

      Sehr gut zum Verkleben von Griffen eignet sich auch gelblicher aufschäumender PU-Leim, oft auch als füllend bezeichnet. Beim Aushärten durch Aufnahme von Luftfeuchtigkeit schäum er etwas auf und füllt so Spalten und Hohlräume. Nach dem Aushärten ist er noch etwas elastisch und nicht steinhart wie Epoxydharz. Ein solcher Leim ist z.B. SOUDAL PU- Holzleim Pro 40 P. Gerade bei Korkgriffen, die vielleicht nicht so passgenau aufgebohrt sind, ist die füllende Eigenschft sehr positiv. Aber Achtung, das Zeug ist ein Teufelszeug. Solange es noch nicht hart ist, kann man es mit Spiritus entfernen. Danach klebt es wie die Pest. Vergisst man seine Hände zu reinigen, läuft man die nächsten Wochen mit schmutzigen Fingern durch die Welt.

      Wenn der Ring angewickelt ist, kurz mit der Feuzeugflamme über die Bindung gehen. Das schmurgelt Fusel und Fadenüberstände vom Abschneiden weg. Man erhält auf Anhieb eine glatte Oberfläche beim Lackieren. Wer etwas "ungeschickt" ist, kann auch einen Bunsenbrenner mit Spiritus benutzen, die Flamme ist nicht so heiss wie beim Feuerzeug.

      Beim Lackieren am besten vom Ring her lackieren. Warum? So kann sich erstmal der Hohlraum seitlich des Rings zwischen Blank und Wicklung komplett mit Lack füllen. Die Luft entweicht durch die Wicklung (falls man kein Farbfixativ benutzt hat). Anders rum klappt das nicht so gut, da bleibt meistens Luft unter der Wicklung.

      Wenn man 2-K-Epoxydharz verarbeitet, sollte man sich vorher immer das Harz, die klare Komponente anschauen. Einige Kleber bzw. Lacke neigen dazu, zu kristallisieren. Das sind dann milchige Flocken oder ein weisslicher Niederschlag am Boden. Jetzt muss man die Komponente erstmal in einem Wasserbad wieder erhitzen und verflüssigen. Ist wie bei kristallisiertem Honig. Danach kann man den Lack wieder verarbeiten.

      Wenn man mit Flex Coat arbeitet, kann man die lackierte noch "flüssige" Wicklung mit einer Feuerzeugflamme "bearbeiten", um Blasen zu entfernen. Flex Coat ist da relativ unempfindlich. Man sollte es natürlich nicht übertreiben. Es gibt andere 2-K-Lacke, die da sehr empfindlich sind und dies überhaupt nicht mögen. Dies sollte man vorher ausprobieren. Erhitzt man z.B. UB-40, so zieht sich der Lack an dieser Stelle weg.

      Es gibt Lacke, mit denen man mit einer Lackierung ein gutes Ergebnis erzielen kann und Lacke, bei denen man besser in zwei oder drei Schichten arbeitet. Das sollte man vorher ausprobieren. Flex Coat sollte man besser in mindestens zwei Schichten verarbeiten. Ein mehrschichtiger Lackaufbau wird immer besser aussehen, als ein einschichtiger.

      Früher habe ich auch mit Farbfixativ gearbeitet. Heute benutze ich es nicht mehr. Mit Farbfixatix liegt der Lack nur auf der Wicklung auf. Im schlimmsten (selten) Fall löst sich später unter Belastung der Lack vom Farbfixativ. Ohne Farbfixatix durchtränkt der Lack die Wicklung und sie ist haltbarer. Einstegige Ringe haben auch mehr Halt.

      Viel Spaß mit der neuen Rute, Dietmar
    1. Avatar von Blackmax
      Blackmax -
      Danke für die aufwendige Dokumentation und die ganze Mühe, die du dir hier gemacht hast.

      Das macht sicher denen Mut, die auch mal einen Stecken selbst aufbauen wollen
    1. Avatar von Lepi
      Lepi -
      Wahnsinn! Find ich echt klasse und es würde mich selber auch reizen aber leider versagen es mir meine zwei linken Pfoten.