• Schluß mit dem Taperwirrwarr - Was bedeutet es wirklich!!!

    Gut, dann mal ganz langsam. damit es auch jeder endlich kapiert

    Taper bedeutet übersetzt Kegel/Konizität.

    Ein "fast taper" dementsprechend bedeutet, dass der Rutendurchmesser, in Richtung Rutenende, schnell zunimmt - also eine starke Steigung aufweist.

    Ein "slow taper" bedeutet das Gegenteil, nämlich dass der Rutendurchmesser in Richtung Rutenende, nur langsam zunimmt - also eine geringe Steigung aufweist.

    Die Abstufungen dazwischen sind entsprechend.


    Daraus folgte früher, als fast alle Ruten aus gleichem Material(Glasfaser) waren, dass eine Rute mit starker Steigung (fast taper) zwangsläufig eine Biegekurve aufwies, die am dünnen Spitzenende beginnend, alsbald durch den schnell zunehmenden Rutendurchmesser ausgebremst wurde und die Aktion sich also vorrangig im Spitzenbereich abspielte.
    Eine Rute aus dem selben Material und mit gleicher Wandstärke, deren Blank nur ganz wenig Steigung hatte und also ein dünneres Handteil/Rutenende, bog sich viel weiter ins eher schwache Rückgrat, welches durch den geringen Durchmesser eben nicht stärker war.

    Nun wieder zurück ins Heute.

    Heutzutage sind die Materialien und ihre Kombinationen so vielfältig, dass man eben nicht mehr einfach von der Steigung des Blanks auf die Aktion schließen kann. Es gibt durchaus Blanks, die am Ende sehr dünn sind - demzufolge eigentlich wenig Steigung (Konizität) aufweisen (also slow oder medium taper) und dennoch Spitzenaktion haben. Dicke Blankwände und hochmodulierte Carbonfasern machen das möglich.

    Eine schlechte Glasfaserrute mit dickem Handteil, also starker Steigung (fast taper), kann sich durchaus mittenbetont oder in Griffnähe biegen, was nach der Biegung einem slow taper entsprechen würde.

    Verwirrend?

    Bis hierhin doch eigentlich verständlich.
    Verwirrend ist eher immer die Übersetzung aus dem Englischen.
    Wenn jemand das "fast" aus fast taper mit schnell übersetzt, wird daraus ganz schnell mal eine schnelle Rute.
    Verstanden wird das dann oft als Schnelligkeit der Rute in Bezug auf die Rückstellgeschwindigkeit des Blanks.

    Diese ist aber ganz etwas anderes.
    Je höher moduliert Carbonfasern sind, umso stärker ist ihr Bestreben sich schnellstmöglich nach Belastung/Biegung wieder auszurichten, ohne viele Schwingungen. Glasfaser in Reinform kann das nicht. Eigengewicht und wenig Spannkraft arbeiten dagegen
    Die Rückstellgeschwindigkeit/Schnelligkeit eines Blanks wird also von den verbauten Fasern(und ihrer Anordnung) bestimmt und ist unabhängig von der Aktion und unabhängig vom taper, auch wenn eine Rute mit wirklicher Spitzenaktion schneller wieder gerade ist, als eine parabole (durchgehende Aktion). Das liegt nur an der geringeren Auslenkung von der Gerade .

    Zusammenfassend kann man sagen, dass es leider nicht klar definiert ist, ab wann die Konizität stark genug ist, um es ein taper 'fast' sein zu lassen. Also keine messbare Prozent- oder "wasauchimmer" -angabe.
    Jede Firma kann also "frei Schnauze" entscheiden ob sie die Konizität des Blanks als stark genug empfindet, um sie 'fast taper' zu nennen.

    Daraus folgt, dass man aus der taper Angabe auch keine eineitlich gültige Aktionsangabe ableiten kann.

    Ich bin absolut dafür die Angaben zur Rutenaktion nicht (mehr) mit der Konizität der Blanks in Verbindung zu bringen! Sinnvoll wäre eine Einteilung z.B. in zehn gleich große Teilstücke - Rutenlänge : 10 - und dann an der Spitze beginnend mit A,B,C,D....usw. zu benennen.

    Wäre die Angabe dann A = Reine Spitzenaktion, B = gemäßigte Spitzenaktion, C = Spitz/Halbparabolic, D = gemäßigte Halbparabolic usw., ggfls. mit Zwischenaktionen A/B,C/D .

    Dann hätten wir unmissverständliche Aktionsangaben und bräuchten nur noch Rutenpower/Schnurklasse/Wurfgewicht/Länge und gut wärs.


    Nur leider macht sich die Industrie darüber keinen Kopp.
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Taper Wirrwarr beenden - Erstellt von: NorbertF Original-Beitrag anzeigen
    Kommentare 12 Kommentare
    1. Avatar von angelfritz10
      angelfritz10 -
      Klasse Bericht, und ich glaube JETZT jetzt hat es jeder verstanden oder!
      Danke Andi
    1. Avatar von hs-57
      hs-57 -
      Klasse und verständlich geschriebener Bericht.

      Danke
    1. Avatar von FloSchauer
      FloSchauer -
      Super Bericht,Danke!

      Wegen diesem Wirrwarr mag Ich die US-Ruten a la St.Croix,weil da bei Einigen das Anwendungsgebiet angegeben ist und man sich nicht durch Taper-Angaben verwirren lassen muss.
    1. Avatar von Lusso
      Lusso -
      Zitat Zitat von schauer0481 Beitrag anzeigen
      Super Bericht,Danke!

      Wegen diesem Wirrwarr mag Ich die US-Ruten a la St.Croix,weil da bei Einigen das Anwendungsgebiet angegeben ist und man sich nicht durch Taper-Angaben verwirren lassen muss.
      Nur der Vollständigkeit halber, das tun die Japaner auch.
    1. Avatar von Hans
      Hans -
      @Lusso.... nicht alle... sagen wir es so,... die Wenigsten
    1. Avatar von Boris
      Boris -
      ...mich stört nur, wenn keine Informationen zum Taper gegeben werden - wie bei den Depsen zum Beispiel.
    1. Avatar von Marci90
      Marci90 -
      Super Bericht...Danke
    1. Avatar von fwmachine
      fwmachine -
      Wirklich sehr gut erklaert. Teilweise wird man ja in Fachgeschaeften doof angeguckt, wenn man mit dem Thema beginnt. Viele wissen es einfach nicht.....
    1. Avatar von Fopper
      Fopper -
      Zitat Zitat von Booris Beitrag anzeigen
      ...mich stört nur, wenn keine Informationen zum Taper gegeben werden - wie bei den Depsen zum Beispiel.
      Bei den BC-Modellen von Deps wird bei allen Ruten (komischerweise ausser der Slap Shot) das Taper in der Bezeichnung erwähnt.
      Beispiele:

      Dom Driver: HGC-80XR ist Regular
      Super Border: HGC-70XF ist Fast
      Boa Constrictor: HGC-77HS ist Slow
      usw.
    1. Avatar von McMajor
      McMajor -
      @Fopper: Wundert mich auch, dass dies bei allen Modellen außer der Slap Shot der Fall ist. Wünschenswert wäre es wenn dies alle Hersteller so handhaben würden. Denn oft würde es einiges an Recherche ersparen!
    1. Avatar von Fopper
      Fopper -
      Zitat Zitat von McMajor Beitrag anzeigen
      @Fopper: Wundert mich auch, dass dies bei allen Modellen außer der Slap Shot der Fall ist. Wünschenswert wäre es wenn dies alle Hersteller so handhaben würden. Denn oft würde es einiges an Recherche ersparen!
      Ist auch die einzige im Portfolio, die Regular-Fast ist.
      Demnach müsste sie anstatt HGC-76XX eigentlich HGC-76XXRF heissen.
      Sie ist komischerweise auch die einzige, die mit XX-heavy angegeben ist, obwohl es stärkere Ruten gibt, die nur X-heavy sind.
      Da war wohl einer besoffen oder ein Praktikant am Werk
    1. Avatar von Homesaver
      Homesaver -
      Das mit dem Taper ist nicht so einfach.
      Als Beispiel: Ex-Fast.
      Weithless, Dropshot, Crank oder Jige?
      Wat den nun.
      Der Bericht ist sehr informativ, also das ist nicht die Kritik am Bericht, der ist TOP.
      Nur bei den heutigen Vielfalt an Materialien und den entsprechenden Kombi daraus, ist es schwer nur anhand von Angaben, wie Taper, Line, Power, CW und Länge zu schließen wozu die Rute zu gebrauchen ist.
      Eine kleine Beschreibung seitens des Herstellers bezüglich der empfolenen Köder ist da sehr Hielfreich.
      Eigentlich ist die Angabe von Taper, Line, Power, CW, Lqnge und empfolenen Ködern nötig.
      Und trotzdem immer noch nicht 100%.
      Ich benutze die EG Super Stallion zum Jigen.
      Ich mag die dabei. Nur EG empfielt die für Swimbait. (hab das mal irgendwo gelesen).
      Wie geschrieben ich mag die bei Gummi, aber auch bei Spinnbaits und Topwater/Frogs mag ich die.
      `n Bekannter kloppt mit Ihr Jerks ala 10/12 Slider und ist zufrieden.