• Schnelligkeit von Rutenblanks - Erläuterung / Erklärung

    Der Begriff "schnelle Rute" wird heute immer wieder mit "fastem taper" oder anderem durcheinander gewürfelt, ohne dass man dabei den Eindruck hat, derjenige Welcher wüsste wovon er spricht.
    Auch wird immer gern mit der Schnelligkeit von Ruten geworben, ohne die Angabe "schnell" im Vergleich zu was(?) anzugeben!

    Je höher moduliert Carbonfasern sind, umso stärker ist ihr Bestreben sich schnellstmöglich nach Belastung/Biegung wieder auszurichten, ohne viele Schwingungen zu erzeugen.

    Glasfaser in Reinform kann das nicht. Eigengewicht und wenig Spannkraft arbeiten dagegen. Die Rückstellgeschwindigkeit/Schnelligkeit eines Blanks wird also von den verbauten Fasern (und ihrer Anordnung) bestimmt und ist unabhängig von der Aktion und unabhängig vom Taper, auch wenn eine Rute mit wirklicher Spitzenaktion schneller wieder gerade ist, als eine Parabole (durchgehende Aktion)!

    Nehmen wir an, zwei gleich lange Ruten aus identischem Material sind durch verschiedene Anordnung der Carbonmatten nur hinsichtlich der Aktion (Biegekurve) verschieden. Rute A hat Spitzenaktion und Rute B hat Parabolaktion.

    Nehmen wir weiter an, beide werden mit dem selben Gewicht belastet.
    Dann wird bei Rute B wegen der Parabolaktion mehr von der Rute aus der ursprünglichen Ideallinie abgelenkt als bei Rute A mit Spitzenaktion, wo sich nur ein kurzes Spitzestück neben der Ideallinie befindet.
    Läßt man nun beide zurückschnellen, wird man sehen dass Rute A eher wieder in der Ausgangsposition ist, als Rute B. Das liegt daran, dass einfach weniger Masse über eine kürzere Strecke bewegt werden muss.

    Trotzdem ist die parabole (gleiches Material) genauso schnell. Das Material hat ja die selbe Rückstellkraft. Nehmen wir der Einfachheit halber an, Rute A (Sp-Akt.) braucht 1 sec. um die 10cm wieder zurück in die Ausgangsposition zu schnellen und sich zu beruhigen. Dann braucht Rute B (selbes Material!) 3 sec. für 30cm. Dauert länger ist aber genauso schnell.

    Viel Ringgewicht, Lack usw. bremsen die Schnelligkeit (Rückstellgeschwindigkeit) zusätzlich.

    Als Fazit bleibt nur übrig, dass je höher moduliert die Fasern sind, umso schneller die Rute ist - und andersrum je mehr Glasfaseranteil umso langsamer.

    Das alles hat aber nichts mit dem Taper und auch nichts mit dem Wurfgewicht zu tun.

    Falls also mal wieder jemand von "schnellen Ruten" erzählt, fragt mal erst was er damit meint.....
    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: Schnelligkeit von Ruten - Erstellt von: Andi500 Original-Beitrag anzeigen
    Kommentare 6 Kommentare
    1. Avatar von AndreasV
      AndreasV -
      Ein wirklich sehr gelungener Artikel, der nun endlich bei dem Einen oder Anderen für Klarheit sorgen sollte

      p.s. ...dieser Artikel würde sich, fest verankert im Ruten-Forum, sehr gut machen
    1. Avatar von yoshi-san
      yoshi-san -
      Sehr schön, danke für diesen Artikel.Finde es auch immer ziemlich anstrengend, wenn die Begriffe uneinheitlich verwendet werden. Könntest du evtl noch eine Erläuterung zu Modulus und Pressdrücken ergänzen?
      Grüße, Joschi
    1. Avatar von Lusso
      Lusso -
      Zitat Zitat von AndreasV Beitrag anzeigen
      Ein wirklich sehr gelungener Artikel, der nun endlich bei dem Einen oder Anderen für Klarheit sorgen sollte

      p.s. ...dieser Artikel würde sich, fest verankert im Ruten-Forum, sehr gut machen
      Die Begriffe sind im Lexikon zu finden und die Artikel verlinkt oder wiedergegeben.
    1. Avatar von hs-57
      hs-57 -
      Klasse und verständlich geschriebener Bericht.

      Danke
    1. Avatar von Marci90
      Marci90 -
      Super Bericht!
    1. Avatar von rutenfan18
      rutenfan18 -
      Toller Bericht, den Du da geschrieben hast - auch sehr verständlich dargestellt.
      Danke und Grüße