• Projekt: E-Motorisierung des Slayer 13 Propel von Native Watercraft

    Ich könnte auch sagen, raus mit dem Propel – rein mit dem mobilen E-Motor.

    Grund für dieses Projekt waren, die in diesem Jahr häufigen Besuche an sehr großen Gewässern wie Edersee, Großer Brombachsee, Laacher See und weiteren größeren Seen. Der Propelantrieb ist einfach genial zum Angeln und auf diesen Vorteil wollte ich nicht verzichten. Also entstand folgende Aufgabenstellung:
    Mit Paddel vom Ufer weg oder im Kraut - fischen mit dem Propelantrieb - Heimfahrt mit dem E-Motor.

    Das Paddel wird benötigt, um mich vom Ufer oder im Kraut fortzubewegen. Auch der Sicherheitsaspekt darf nicht außer Acht gelassen werden, falls doch tatsächlich ein Antrieb ausfallen sollte. Ich muss auch irgendwie wieder zurück kommen.
    Der Propelantrieb zum Fischen und Positionieren an den Hotspots und bei Winddrift das Kajak auf Kurs halten. Man hat beide Hände frei zum Fischen und muss nicht eine Hand am Motor haben, oder die Paddel verwenden. Wenn man aber nun den ganzen Tag angelt und Spot für Spot abklappert, legt man doch eine unglaublich große Strecke zurück. Es wird dunkel und der Heimweg ist noch sooooo weit. Oft müssen Strecken von mehreren km bis zur Slipstelle zurückgelegt werden. Besonders übel dann, wenn auch noch das Wetter umschlägt. Schnell zurück bedeutet eine permanente körperliche Belastung und oftmals fehlt einfach die Fitness. Man muss doch öfters eine Pause einlegen. Es wäre doch jetzt ideal, wenn man hierfür einen E-Motor einsetzen könnte.

    Es gab ja mal einen Antrieb von Native Watercraft

    (Quellen: www.kayakfishingmagazine.net ; Youtube-channel "Kayakworld" )

    Die Produktion dieses „Volt-Antriebs“ wurde aufgrund fehlender Nachfrage und einem stolzen Preis eingestellt. Also musste ich mir selbst was ausdenken. Klar, es ist am Einfachsten, seitlich einen Motor anzubringen, aber das war nicht mein Ziel und ich wollte das auch nicht auf diese Art machen. Das Slayer hat doch einen Schacht und dieser sollte auch dafür genutzt werden. Im Web gibt es bereits einige gute Anregungen dazu. Diese favorisieren jedoch immer nur eine einzige Lösung: entweder Pedal oder E-Motor. Ich möchte Beides und somit die Vorteile beider Antriebe nutzen können.
    In meinem Freundeskreis stellte ich mein Projekt vor und wir diskutierten darüber. Jeder brachte konstruktive Vorschläge ein, auf die man selbst nicht gleich gekommen wäre. Eine Idee stach hervor. Anfang des Jahres kam ein neues Kajak auf den Markt, welches auf der I-Cast 2014 vorgestellt und ausgezeichnet wurde und meiner Idee recht nahe kam.

    (ICAST 2014 Best Boat and Best of Show: Predator XL Kayak ->Quelle: es gibt auf Youtube einen Film darüber)

    sorry, das Bild wurde aus dem YouTube-Film herauskopiert

    Den Livewell brauche ich nicht, aber die Konstruktion des Motors trifft genau das, was ich mir vorgestellt hatte.

    Ziel des Projektes:
    • Einfacher Austausch der Motoren
    • Alle Antriebe sollen einsetzbar sein
    • E-Motor unauffällig
    • Platzsparend, damit im Innenraum des Kajaks noch genug Bewegungsfreiheit bleibt
    • Kein Kabelwirrwar im Innenraum
    • kostengünstige Lösung (Ziel: unter 400.-)

    Die Lösung sollte wie folgt funktionieren:
    die Abdeckung abnehmen, den Pedalantrieb hochklappen, nach hinten in die Ablage greifen, den E-Motor aus der Kiste holen, in den Schacht einsetzen und den Pedalantrieb wieder auf die Ablage runter klappen. E-Motor mit der Steuerung verbinden und los geht’s mit E-Power zurück zur Slipstelle.

    Projektstart:
    Beschaffung der Zubehörteile:
    Natürlich kommen einem während des Baus noch weitere Ideen und Verbesserungen. Aber da gehe ich jetzt nicht näher darauf ein.
    man benötigt für dieses Projekt
    • eine neue Schachtabdeckung
    • einen passenden E-Motor ( 2-Flügel )
    • einen wasserdichen 4-poligen Stecker (Motorsteuerung)
    • 2 Bleche ( war für die Konstruktion einfacher als GFK ) zudem einfacher zu handhaben
    • Ein Metallrohr ( Innendurchmesser = Motorschaftaussendurchmesser) komme ich später drauf zurück, warum?
    • einen Griff

    Im Grunde war es das auch schon, was die groben Teile betrifft.

    Die Umsetzung:
    Das folgende Bild zeigt die bereits in Form gebrachten Teile. Nur der Griff, die Steuereinheit und die Motorschelle fehlen.



    Also insgesamt 8 Teile. Mehr ist es nicht.

    Vom E-Motor habe ich die Steuereinheit abgenommen. Diese brauche ich später wieder. Ging sehr einfach, da diese nur mit einer Schraube am Schaft des Motors befestigt ist. Das komisch geformte untere Blech wurde dem Durchbruch und der Abdeckung angepasst. Somit kann der Motor nicht hindurch rutschen und wackelt nicht während des Betriebs.




    Je nachdem wie weit unter dem Kajak der Motor arbeiten soll, musste die Finne und der Motorschaft in der Länge angepasst werden.




    Das Innenleben der Finne



    Hier sieht man jetzt auch, für was das Metallrohr/ welches auch aus Plastik hätte sein können, ( hatte ich aber gerade nicht da ) verwendet wurde. Da im Innenraum alles wasserdicht sein muss, wird dieser Bereich mit PU-Schaum ausgeschäumt, damit auch wirklich kein Tröpfchen den Weg in die Elektrik finden kann. Der Übergang von Motor und Finne wurde auch nochmals mit Silikon abgedichtet. Doppelt hält immer besser. Da dieser Schaum aber alles verklebt, wird es bei einem Defekt des Motors kaum möglich sein, diesen auszutauschen. Mit dem Rohr ist das jetzt kein Problem. Die Nieten der Schelle aufbohren und Motor austauschen…. Jepp… da hat man ein wenig mitgedacht (mein Dad machte den Vorschlag, ich hatte da nur Scheuklappen auf und an so etwas nicht mal im Traum gedacht)
    Jetzt stand nur noch die Verbindung der Finne mit der Abdeckung und natürlich die Montage des 4-Pol-Steckers an.



    Mit Silikon wurden die Übergänge nochmals abgedichtet und der Griff montiert. Als nächste Aufgabe stand die Schutzlackierung bzw. Grundierung an. Natürlich fehlt auch noch die Dichtung der Auflagefläche am Durchbruch. Aber das war kaum Arbeit. Als diese Tätigkeiten abgeschlossen waren, lag folgendes Ergebnis vor mir



    Jetzt werden noch die Nieten und Übergänge verspachtelt. Nochmals grundiert, alles glatt geschmirgelt und der Mattschwarz-Lack aufgesprüht. So bekommt das Ganze noch ein edles Finish. Auch der Griff erhält noch eine kleine Sonderbehandlung. Und der Stecker muss noch angeschraubt werden ups!!



    Unter dem Kajak sieht es dann so aus



    Es fehlt aber noch ein wichtiger Teil. Über die Steuerung habe ich mich noch gar nicht ausgelassen. Diese ist auch simpel erklärt. Die Steuereinheit des Motors passt genau unter den Sitz des Slayers. Mit einem Karabiner und einem Gummiband ist das im Moment dort einfach aufgehängt ( soll ja auch mobil sein ). Da die Pinne ausziehbar ist, schaut sie im eingefahrenen Zustand (siehe Bild) ca. 3cm unter dem Sitz heraus. (rechts der kleine Knubbel )



    Bei Verwendung des Motors kann man diese dann herausziehen und die Bedienung gestaltet sich relativ einfach. Die Karabinerbefestigung am Sitz sorgt dafür, dass man die Einheit nicht hervorziehen kann, wenn man die Pinne verlängern möchte. Die Motorsteuerung verbindet man mit dem Motorstecker des Antriebes und los geht`s. Der Akku ist unter dem Sitz verstaut und somit verläuft kein Kabel sinnlos im Kajakfußraum entlang. Stolperfallen kann ich einfach nicht gebrauchen. Das einzige Kabel welches unter dem Sitz hervor kommt, ist das der Motorsteuerung und seht selbst, das ist kein langer Weg.

    Mein Vorhaben ist fast erfüllt und das Projekt steht kurz vor dem Ende.

    Ziel war es…
    Pedalantrieb hoch.. E-Motor rein.. ein Stecker einstöpseln.. Pedalantrieb ablegen.. Motor starten.. und ab geht die Post.
    Denke, das ist mir mit dieser Lösung gelungen.

    Den Bericht werde ich erweitern, wenn das Finish fertig, ich die Probefahrt abgeschlossen und natürlich das in einem kleinen Filmchen festgehalten habe.
    Wenn ihr Fragen dazu habt, könnt ihr mich gerne kontaktieren. Sicher kann man mit anderen Materialien noch einiges an Gewicht einsparen und bei den Komponenten lässt sich sicherlich noch einiges an Kosten einsparen. Aber der Prototyp kann sich durchaus sehen lassen.

    Angefallene Kosten ohne Arbeitszeit

    Motor MinnKota Endura C2 - 139,90.-
    Abdeckung Native - 89.-
    Akku 70Ah (kleiner geht auch ) - 109.-
    Lack, Grundierung, Spachtelmasse - 15.-
    4-Polstecker - 9,95.-
    Bleche aus Abfallbeständen einer Blechnerei, sowie das Rohr - 0,00.-
    Isolierband, Silikon und Kleinteile - 11,25.-

    Gesamtkosten an benötigten Materialien = 374,10.-


    Ich freue mich, wenn euch meine Idee anleitet, selbst etwas auf die Beine zu stellen, um euer Kajak aufzupimpen. So ein Gesamtprojekt ist ja niemals fertig. Ist ja auch das Schöne daran.


    Schon beim Schreiben des Berichtes möchte ich bereits die Steuerungseinheit verändern, da mir die Pinne unter dem Sitz nicht zusagt. Ich verlege doch alles ins Innere des Kajaks. Aber das ist eine andere Geschichte


    Gruß
    Euer Hans
    Kommentare 23 Kommentare
    1. Avatar von jack
      jack -
      Der Hans der kann´s!

      Saubere Arbeit, man merkt das Du dir echt Gedanken gemacht hast, top umgesetzt das Ganze
    1. Avatar von nasobem
      nasobem -
      Den U-Bootturm hätte ich mit dem runden Ende nach vorne montiert und mit dem spitzen nach hinten, eben wie auf einem U-Boot.
      Klasse Sache, von der Idee bis zur ersten Fahrt.
      Jetzt kannst Du ja Eisbrecher spielen.
    1. Avatar von sepp
      sepp -
      Sehr sehr geiles Projekt Hans.

      Auch optisch perfekt umgesetzt - sieht aus wie gekauft! :
    1. Avatar von Tobsn001
      Tobsn001 -
      Zitat Zitat von nasobem Beitrag anzeigen
      Den U-Bootturm hätte ich mit dem runden Ende nach vorne montiert und mit dem spitzen nach hinten, eben wie auf einem U-Boot.
      Klasse Sache, von der Idee bis zur ersten Fahrt.
      Jetzt kannst Du ja Eisbrecher spielen.
      Jep, andersrum wäre hydrodynamisch wohl besser gewesen.
    1. Avatar von Lusso
      Lusso -
      Top! Ich muss mich mit dem Gedanken mal ernsthaft befassen...
    1. Avatar von smjonny
      smjonny -
      Zitat Zitat von Lusso Beitrag anzeigen
      Top! Ich muss mich mit dem Gedanken mal ernsthaft befassen...
      Abend,

      super umgesetzt,die schönste Eigenbaulösung die ich bisher gesehen habe,

      und ich hab schon einige gesehen da ich mich ja auch schon mit dem Thema beschäftigt habe

      https://www.youtube.com/watch?v=Gbfh...ZH68P_hwOLzymQ

      bist du schon gefahren,wie schnell wirst du mit dem Teil,hast du den 30er oder den 34 er MinnKota verbaut ???
    1. Avatar von Hans
      Hans -
      den 30 iger.

      Die Finne musste ich so rum anbringen, da ich einen Halt für das innenliegende Rohr brauchte.

      Testfahrt habe ich bereits hinter mir. Deshalb steht ja auch im letzten Satz...

      hab ne bessere Idee für die Steuereinheit. Das unter dem Sitz anzubringen war schon gut. Nur die Umsetzung war

      schulmäßig...... Note 6. unbefriedigend. Einfach nicht passend für den Motor.

      Die Teile für die Steuerung werde ich diese und nächste Woche erhalten. Sind schon bestellt. Dann gehts relativ schnell mit dem weiteren Ausbau.
      Vielleicht so viel dazu...

      alles wird in den Innenraum verlegt. Somit bleibt nur noch ein kleiner Drehschalter zu sehen. Im Zuge von "mehr Power", wird auch etwas am total mießen Ruder verbessert.
    1. Avatar von baitcast1
      baitcast1 -
      Klasse Idee, klasse Umsetzung, klasse Bericht!
    1. Avatar von McMajor
      McMajor -
      Gute Idee, weltklasse Umsetzung wegen sowas ist man hier unterwegs .
    1. Avatar von Jupp82
      Jupp82 -
      Klasse Hans
    1. Avatar von ChristianO
      ChristianO -
      Hans!
    1. Avatar von Hans
      Hans -
      Muss ehrlich gestehen, hätte ich nicht einen Handwerker in meiner Familie, der die Blecharbeiten gemacht hätte, dann sehe das auch anders aus. Und eben Teamarbeit bei der Ideenentwicklung. Ich hab meine Vorstellungen vorgetragen und Cheffe Papa,, okay geht. Belcharbeit mache ich!!! Den Rest kannst du machen!!

      Zudem hat er als Rentner mehr Zeit und braucht natürlich Herausvorderungen
    1. Avatar von Semper Fi
      Semper Fi -
      Klasse Sache das und schöne Dokumentation der einzelnen Schritte.
    1. Avatar von rheinfischer
      rheinfischer -
      saubere Arbeit und guter Bericht.
    1. Avatar von Xaxa
      Xaxa -
      "german engineering at its best!" Idee, Planung, Umsetzung, Dokumentation
    1. Avatar von MKS
      MKS -
      Geile Sache, du hast geschreiben LacherSee, darf man da jetzt mit seinem eigenen Boot drauf?? früher gabs da nur die alten Stahlboote.
      Wenn ja gibts da wo ne Trailerstelle ?

      Grüße Marcel
    1. Avatar von ArminP
      ArminP -
      Nein, da gibt es keine Möglichkeit zum Slippen.
    1. Avatar von JAM
      JAM -
      Ich wüsste eine, aber die ist am Edersee.
    1. Avatar von ArminP
      ArminP -
      Bring mit.
    1. Avatar von jig saw
      jig saw -
      Super Bericht Hans, gute Ideen und prima Umsetzung! Wie viel wiegt der Motor und merkt man das Mehrgewicht bei Pedal Betrieb großartig?